Wichteln: Regeln, Ablauf und Tipps für eure Runde
Von Robin Thüs · Stand:
Beim Wichteln beschenkt jede Person genau eine andere Person aus der Runde. Wer wen beschenkt, entscheidet das Los, und bis zur Bescherung bleibt es geheim. Das klingt einfach, und das ist es auch. Ein paar Regeln helfen aber, damit am Ende niemand leer ausgeht und die Überraschung hält.
Was ist Wichteln?
Wichteln ist ein Brauch aus der Vorweihnachtszeit. Statt dass alle allen etwas schenken, zieht jede Person ein Los mit einem Namen. Für diese Person besorgt sie dann ein Geschenk, meist bis zu einem vorher festgelegten Betrag. Der Name kommt vom Wichtel, einer Figur aus nordischen Sagen, die heimlich Gutes tut.
Gewichtelt wird in Familien, im Freundeskreis, im Büro, im Verein oder in der Schulklasse. Der große Vorteil: Jede Person kauft nur ein Geschenk und bekommt eins. Das spart Geld und Stress, und niemand wird vergessen. Auch wer neu in der Gruppe ist, gehört sofort dazu.
Je nach Region heißt Wichteln anders. In Norddeutschland und Skandinavien sagt man Julklapp, in Teilen Österreichs Engerl-Bengerl, im Englischen Secret Santa. Die Idee ist überall dieselbe.
Nicht zu verwechseln mit der Wichteltür: Bei diesem Brauch für Kinder zieht im Advent ein Wichtel hinter einer kleinen Tür an der Wand ein, spielt Streiche und hinterlässt Briefe. Mit Losen und Geschenken für die Runde hat das nichts zu tun.
Der Ablauf in sechs Schritten
- Runde zusammenstellen. Klärt, wer mitmacht, und setzt eine Frist für Zusagen. Erst wenn die Liste steht, wird ausgelost.
- Budget festlegen. Einigt euch auf eine Obergrenze, zum Beispiel „höchstens 15 Euro“. So fühlt sich niemand mit seinem Geschenk zu knapp oder zu großzügig.
- Termin für die Bescherung festlegen. Ob Weihnachtsfeier, Nikolaus oder Heiligabend: Alle sollten wissen, bis wann das Geschenk fertig sein muss.
- Auslosen. Klassisch mit Zetteln aus einer Mütze oder online. Online geht schneller, und niemand kann sich selbst ziehen. Mit Wichtelhut tragt ihr die Namen ein und bekommt einen Link für die ganze Runde.
- Geschenk besorgen. Jede Person kauft oder bastelt ein Geschenk für die gezogene Person. Und verrät nichts.
- Bescherung. Alle Geschenke werden am vereinbarten Tag übergeben, oft zusammen bei einem Treffen. Ob der Wichtel sich zu erkennen gibt, entscheidet ihr vorher.
Regeln, die sich bewährt haben
Feste Regeln gibt es beim Wichteln nicht, jede Runde macht es ein bisschen anders. Diese Punkte ersparen euch aber die häufigsten Probleme.
Niemand zieht sich selbst
Beim Zettelziehen passiert das öfter, als man denkt. Mathematisch zieht in fast zwei von drei Auslosungen mindestens eine Person ihren eigenen Namen, egal ob ihr fünf oder fünfzig seid. Dann muss die ganze Runde neu ziehen, auch alle, die ihr Los schon gesehen haben. Eine Online-Auslosung schließt das von vornherein aus.
Paare und Geschwister ausschließen
Paare beschenken sich an Weihnachten meist sowieso. Beim Wichteln ist es schöner, wenn sie jemand anderen ziehen. Online legt ihr dafür Ausschlüsse fest: Anna darf Ben nicht ziehen, Ben darf Anna nicht ziehen. Denkt an beide Richtungen.
Achtung bei kleinen Runden
Je mehr Ausschlüsse in einer kleinen Runde, desto leichter lässt sich erraten, wer wen hat. Bei zwei Paaren mit Ausschluss weiß jede Person sofort, wen der eigene Partner gezogen hat. Und mit zu vielen Ausschlüssen geht die Auslosung gar nicht mehr auf. Wichtelhut prüft das und sagt dir Bescheid.
Eine feste Obergrenze beim Budget
„So um die 20 Euro“ führt dazu, dass die eine Person 12 Euro ausgibt und die andere 35. Eine klare Grenze ist fairer. Wer unter der Grenze bleibt und trotzdem etwas Schönes findet, hat alles richtig gemacht.
Geheim bleibt geheim
Wer wen gezogen hat, bleibt bis zur Bescherung unter Verschluss. Das gilt auch für Andeutungen im Gruppenchat. Und wenn doch etwas durchsickert? Lacht kurz darüber und macht weiter. Neu auslosen sorgt meist für mehr Ärger als das kleine Leck.
Wenn jemand absagt oder dazukommt
Der Klassiker: Die Runde ist ausgelost, und eine Person wird krank oder hat keine Zeit mehr. Am einfachsten ist es, neu auszulosen, solange noch niemand eingekauft hat. Bei Wichtelhut legt ihr dafür eine neue Runde an und schickt den neuen Link.
Wenn schon eingekauft wurde, geht es auch ohne neues Auslosen. Die Person, die absagt, weiß ja, wen sie beschenkt hätte. Sie schreibt in den Gruppenchat: „Wer mich gezogen hat, beschenkt bitte stattdessen Clara.“ So bekommt Clara trotzdem ein Geschenk, und niemand erfährt, wer wen hat.
Nur ein Fall geht so nicht auf: Wenn Clara selbst die Person gezogen hat, die absagt. Dann bleibt Clara ohne Geschenk und sollte sich melden. In dem Fall ist neu auslosen die fairere Lösung.
Kommt jemand nachträglich dazu, hilft ein ähnlicher Trick. Eine Person aus der Runde erklärt sich bereit und sagt dem Neuen privat: „Du beschenkst die Person, die ich gezogen habe. Ich beschenke dich.“ Nur die beiden wissen davon, alle anderen Lose bleiben, wie sie sind.
Wie viele Leute braucht man zum Wichteln?
Mindestens drei. Zu dritt ist das Geheimnis aber schnell keins mehr: Wenn du weißt, wen du beschenkst, kannst du dir den Rest ausrechnen. Ab vier Personen bleibt es offen, ab fünf oder sechs wird es richtig spannend.
Nach oben gibt es keine Grenze. Ob ihr eine gerade oder ungerade Zahl seid, spielt keine Rolle. Bei großen Gruppen, etwa einer ganzen Abteilung, lohnt sich eine Online-Auslosung besonders. Zettel für 40 Leute zu schreiben und zu verteilen, dauert sonst einen halben Vormittag.
Wie viel Budget ist beim Wichteln üblich?
Das hängt von der Runde ab. Diese Spannen sind verbreitet, sie sind aber nur ein Anhaltspunkt:
| Runde | Übliches Budget |
|---|---|
| Büro und Kollegen | 5 bis 15 Euro |
| Freundeskreis | 10 bis 25 Euro |
| Familie (Erwachsene) | 20 bis 50 Euro |
| Schulklasse, Verein | 3 bis 10 Euro |
| Schrottwichteln | kein Budget, es wird verschenkt, was schon da ist |
Wichtig ist, dass alle gut mit dem Betrag leben können. Sind Schüler, Azubis oder Studierende dabei, wählt lieber die untere Grenze. Bei Wichtelhut steht das Budget auf der Seite, die alle mit dem Link öffnen. So muss niemand im Chat nachfragen.
Wann auslosen, wann beschenken?
Plant für die Auslosung etwa drei bis vier Wochen vor der Bescherung ein. Dann bleibt genug Zeit für Ideen, Bestellungen und Lieferzeiten. Für Weihnachten 2026 könnte das so aussehen:
| Wann | Was |
|---|---|
| Mitte November | Teilnehmer und Budget festlegen |
| bis 1. Advent (29. November) | Auslosen und Link teilen |
| bis Mitte Dezember | Geschenke besorgen, Online-Bestellungen nicht zu spät |
| Weihnachtsfeier, Nikolaus (6.12.) oder Heiligabend (24.12.) | Bescherung |
Wichteln geht übrigens auch außerhalb der Weihnachtszeit, zum Beispiel an Ostern, zum Sommerfest oder als Abschiedsgeschenk im Team.
Wichtel-Varianten im Überblick
Das klassische Wichteln mit Los und Budget ist nur eine von vielen Möglichkeiten:
- Schrottwichteln: Jede Person bringt etwas mit, das sie zu Hause nicht mehr braucht. Kostet nichts und sorgt für viel Gelächter.
- Würfelwichteln: Ohne Los. Alle Geschenke liegen in der Mitte, und der Würfel entscheidet, wer welches bekommt und wer tauschen muss.
- Julklapp: Das Geschenk wird in mehrere Lagen verpackt, oft mit einem kleinen Gedicht oder Rätsel. Ursprünglich warf man es heimlich durch die Tür, klopfte und lief weg.
- Mottowichteln: Alle Geschenke folgen einem Thema. Beim Buchstabenwichteln beginnt das Geschenk mit dem Anfangsbuchstaben der beschenkten Person, beim Grünwichteln verschenkt ihr Pflanzen.
- Selbstgemacht-Wichteln: Nur Gebasteltes, Gebackenes oder Gekochtes ist erlaubt.
- Wunschzettel-Wichteln: Jede Person nennt zwei oder drei Wünsche im Budget. Weniger Überraschung, dafür sicher etwas Passendes.
Typische Fehler beim Wichteln
- Zu früh auslosen. Wer auslost, bevor alle zugesagt haben, muss später neu losen.
- Kein klares Budget. „Ungefähr“ führt zu sehr unterschiedlichen Geschenken.
- Kein fester Termin. Ohne Datum wird die Bescherung gerne verschoben, bis keiner mehr Lust hat.
- Zu viele Ausschlüsse. In kleinen Runden wird die Auslosung sonst vorhersehbar.
- Das Los vergessen. Passiert jedes Jahr. Bei Wichtelhut öffnet ihr den Link einfach noch einmal und tippt wieder auf den eigenen Namen.
Häufige Fragen
Ist Wichteln dasselbe wie Secret Santa?
Ja, im Kern schon. Secret Santa ist der englische Name für Wichteln. In Norddeutschland sagt man auch Julklapp, in Teilen Österreichs Engerl-Bengerl. Überall gilt: Jede Person beschenkt heimlich eine andere, die ausgelost wurde.
Kann man zu zweit wichteln?
Eine Auslosung ergibt zu zweit keinen Sinn, weil beide sofort wissen, wer wen beschenkt. Zu zweit könnt ihr aber ein festes Budget und ein Motto ausmachen, das macht das Schenken auch spannend. Für eine echte Auslosung braucht ihr mindestens drei, besser vier oder mehr Personen.
Muss ich bei der Bescherung verraten, dass ich der Wichtel war?
Das macht jede Runde anders. Viele lösen am Ende auf, andere lassen es offen oder raten. Sprecht es vorher kurz ab, dann gibt es an dem Abend keine peinlichen Momente.
Darf man beim Wichteln etwas selbst machen?
Ja, selbst gemachte Geschenke wie Plätzchen, Marmelade oder ein kleines Fotobuch kommen meist gut an. Wichtig ist nur, dass das Geschenk ungefähr zum Budget passt, damit sich niemand unter Druck gesetzt fühlt.
Was schenke ich, wenn ich die Person kaum kenne?
Dann ist etwas Neutrales am sichersten: gute Schokolade, ein besonderer Tee oder Kaffee, ein schönes Notizbuch oder ein kleines Spiel. Oder du fragst unauffällig andere, die die Person besser kennen. In vielen Runden schreibt außerdem jede Person zwei oder drei Wünsche in den Gruppenchat.
Ich habe vergessen, wen ich gezogen habe. Was jetzt?
Bei Wichtelhut öffnest du einfach noch einmal den Link der Runde und tippst wieder auf deinen Namen. Der Link funktioniert 90 Tage lang.
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